Wer wie ich eine Jesuitenschule absolviert hat, wird entweder selbst Jesuit oder sein Verhältnis zur Kirche und zum Glauben wird, vorsichtig ausgedrückt, ambivalent. Aus mir ist kein Jesuit geworden, was ich durchaus schon bedauert habe. Denn Mitglied einer Gemeinschaft hoch gebildeter Männer zu sein, fände ich erstrebenswert. Wäre da nicht die Sache mit der Kirche und dem Glauben. Bis heute kann ich nicht verstehen, wie es die Jesuiten fertig bringen so bedingungslos der katholischen Kirche und dem Papst zu folgen. Wie kann der Papst unfehlbar sein? Und wenn der Papst unfehlbar ist, warum korrigiert dann ein Papst Entscheidungen seiner Vorgänger? Das ist doch ein offensichtlicher Widerspruch. “Wir müssen respektieren was der Papst tut und wir sollen es nicht hinterfragen, denn der Papst führt Gottes Plan aus.” war die Antwort meines Religionslehrers. Eine Antwort, die ich schon als Kind nicht hinreichend fand. “Wozu gibt mir Gott einen messerscharfen Verstand, wozu all die Gelehrigkeit, wenn ich letztlich kindlich naiv sein muss, um Kirche und Glauben annehmen zu können?” war die nächste Frage, auf die ich keine befriedigende Antwort bekam.
Mein Glaube war nicht stark genug, meinen Verstand zu verdrängen. Heute denke ich, dass man als Wissenschaftler eigentlich nur Agnostiker sein kann. Obwohl ich viele Kollegen kenne, die durch die Mathematik zu tief religiösen Menschen wurden. Nicht wenige davon glauben, dass sich ihnen Gott in der Mathematik offenbart. Das kann ich ein Stückweit nachvollziehen, denn die Mathematik ist für den Kundigen eine unglaublich faszinierende Wissenschaft. Dennoch sehe ich eher, dass es weder einen Beleg für die Existenz noch für die Nichtexistenz Gottes gibt. Die Frage nach Gott ist unentscheidbar und somit irrelevant. Gut, jetzt werden die Bibelkenner wieder sagen, dass Gott die Lauen von sich speien wird, aber damit muss ich wohl leben. Agnostiker zu sein hat aber auch seine Vorteile. So kann ich Gläubige jeder Religion und Atheisten in gleichem Maße akzeptieren. Und es kollidiert auch nicht mit meinem Weltbild, wenn ich ein paar christliche Tugenden übernehme …

wir mögen vor allem die ungläubigen ,atheismus wird ja auch schon als glaube verbreitet und verkündet..
Natürlich ist auch der Atheismus eine Form des Glaubens, denn es gibt, wie gesagt, weder einen Beleg für die Existenz noch für die Nichtexistenz eines Gottes. Wer sich für eine Seite entscheidet, der glaubt. Wogegen nichts zu sagen ist.
Das kommt auf den Gott an, von dem wir reden, oder?
Nur wenn man mit Gott nicht etwas in dieser Art verbinden will.
Wieso? Der Artikel enthält doch diverse Gottesbilder, die überprüfbar wären.
Wie kann die Existenz eines metaphysischen Wesens überprüfbar sein? Ein solches Wesen könnte sich allgemein offenbaren und somit seine Existenz selbst belegen, aber wir haben keine Möglichkeit ein höheres Wesen wissenschaftlich nachzuweisen.