Christian Wulff ist zurückgetreten. Endlich, werden nun viele sagen, aber wird jetzt alles besser werden? Wohl kaum. Wulff ist der zweite Bundespräsident in Folge, der sein Amt aufgibt. Doch während Horst Köhler dies tat, um Schaden vom Amt abzuwenden, tut es Wulff, weil er keinen Rückhalt mehr hat. Weder in der Bevölkerung noch in den Reihen der Regierungskoalition. Zu groß ist der Druck auf Wulff und die Angst seiner "Parteifreunde" mit in den Strudel aus Vetternwirtschaft und Korruption hineingezogen zu werden.
Doch wie kam es zur großen Hetzjagd auf Christian Wulff? Und warum plötzlich diese öffentliche Empörung über Vetternwirtschaft? Die ist doch mittlerweile ganz normal. Deutschland ist, zumindest in den oberen Etagen, genauso korrupt wie jede andere Bananenrepublik. Und das weiß auch jeder, der sich dafür interessiert. Wie immer frage ich mich: qui bono? Ich weiß es nicht. Allerdings riecht es für mich stark nach einer Machtdemonstration der Medien. Wulffs versuchte Einflußnahme auf Zeitungsveröffentlichungen hat ihm den Ruf eingebracht ein Feind der Pressefreiheit zu sein. Ist sein Sturz jetzt die Quittung dafür, dass er nicht den großen Kotau vor der Bild Zeitung machte?
Nicht dass jetzt der Verdacht aufkommt, ich wolle Wulff verteidigen oder hätte gar Mitleid mit ihm, aber ich finde es schon bemerkenswert wie die Medien den Bundespräsidenten demontiert haben. Gleichzeitig frage ich mich natürlich, wer dieses Amt jetzt bekleiden soll. Wer hat schon eine so weiße Weste, dass er unangreifbar wäre? Von den Spitzenpolitikern sicher niemand. Doch wollen wir jemanden als Bundespräsidenten, der keine Ahnung vom Politzirkus in Berlin hat? Heute ist kein guter Tag für Deutschland!